|
Helmut Mayer In dieser Stunde werden wir betrachten, was die Heilige Schrift über den Heiligen Geist und seine Wesenheit bezeugt. Ein klares Verständnis des Heiligen Geistes ist für jeden Christen wichtig. Wir alle benötigen seine Kraft, seine Hilfe, Unterweisung und Führung. Ohne den Heiligen Geist können wir kein siegreiches christliches Leben führen und Gott dienen. Leider haben viele Christen kein biblisches Verständnis vom Heiligen Geist. Sie wissen mit ihm nichts anzufangen. Dr. G. Bergmann, ein bekannter Volksmissionar der ev. Kirche, schrieb: „Der Heilige Geist ist das Stiefkind der Theologie, und sollte und darf es doch ganz und gar nicht sein.“ Der ev. Theologe Emil Brunner sagte: „Es besteht auf gewisser Seite die Tendenz, den Begriff „Heiliger Geist“…als einen unverständlichen und für unser eigenes theologisches Denken nicht nur entbehrlichen, sondern unbrauchbaren Begriff auszuschalten.“ Diese Neigung, den Heiligen Geist als einen unverständlichen und unbrauchbaren Begriff zu bezeichnen, konnte nur dort entstehen, wo man die Bibel als Wort Gottes und Zeugnis des Geistes beiseite legte. Wer aufmerksam die Bibel studiert wird feststellen, dass sie eine Fülle von Aussagen über den Heiligen Geist enthält. Das Wesen und Wirken des Heiligen Geistes wird klar bezeugt. Es ist für unser geistliches Wachstum wichtig, nicht nur Gott, den Vater, und Gott, den Sohn, zu kennen und zu ehren, sondern auch den Heiligen Geist zu lieben und zu ehren. Es gibt dafür zwei Gründe: a) Gott will uns den Heiligen Geist geben – Lk.11,13 b) Gott warnt uns vor der Sünde wider den Heiligen Geist – Mt. 12,31.32 1. Wer ist der Heilige Geist? Ist er eine Kraft oder eine Person? Über diese Frage gibt es leider immer wieder Uneinigkeit und manchmal sogar lieblose Auseinandersetzungen auch innerhalb unserer Gemeinde. Jene, die den Geist als Kraft ansehen und ihn als Person ablehnen, berufen sich auf Apg. 1,8. Doch Jesus sagte nicht: „Ihr werdet geistliche Kraft empfangen“, sondern: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“ Der Heilige Geist besitzt Kraft, er spendet Kraft, aber er selber ist mehr als bloße Energie. Apg.1,8 ist deshalb korrekt so zu übersetzen: „Ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein.“ Bevor wir uns mit der Persönlichkeit des Heiligen Geistes befassen, wollen wir uns mit den Merkmalen einer Person befassen Wenn wir von einer Person sprechen, denken wir dann zuerst an ihre äußere Erscheinung oder an die Eigenarten und Fähigkeiten, die diese Person besitzt? Die Gestalt eines Menschen kann durch Krankheit, Unfall oder Misshandlung bis zur Unkenntlich entstellt sein, dennoch vermag aus dem geschundenen und zertretenen Körper ungebrochen die Persönlichkeit des betreffenden Menschen zu uns sprechen. Was die Peiniger in den KZ’s oft so rasend machte oder total verwirrte, war die Feststellung, dass sie zwar die äußere Hülle ihrer Opfer zerstören, aber nicht ihre Persönlichkeit vernichten konnten. Wir wollen uns einmal die Merkmale einer Persönlichkeit vergegenwärtigen. Wir fragen: Was sind die Kennzeichen einer Persönlichkeit? Willen – Verstand – Wissen – Sprache – Gefühl – Mitteilung – Fähigkeit zur Kommunikation – Kreativität Wir werden jetzt prüfen, ob die Bibel diese Merkmale einer Persönlichkeit über den Heiligen Geist bezeugt. WILLEN 1. Kor. 12,11 wie er will ! VERSTAND Rö. 8,27 das Sinnen (Trachten, Denken) des Geistes ist. WISSEN 1.Kor. 2,10.11 weiß, was in Gott ist – erforscht, SPRACHE 1.Kor. 2,13 Worte, die der Geist lehrt GEFÜHL Rö. 15,30 die Liebe des Geistes MITTEILUNG Hebr:9,8 kund machen – GN: "der Heilige Geist macht mit diesen Anweisungen deutlich!" Wir stellen also fest: Die Bibel spricht vom Heiligen Geist als einer Persönlichkeit, denn er besitzt die Kennzeichen, die eine Persönlichkeit ausmachen. Dass der Heilige Geist eine überragende Persönlichkeit ist, zeigen seine Handlungen. Die Bibel bezeugt, dass der Heilige Geist wie eine Person handelt. Er vollbringt Taten, die nicht das Werk einer unpersönlichen Kraft oder einer wesenlosen Energie sein können. 2. Der Heilige Geist handelt wie eine Person Nehemia 9,20 er unterweist (Unterweisung-Belehrung) Joh.14,26 er lehrt, ruft in Erinnerung Joh.15,26 er bezeugt, gibt Zeugnis Hebr. 3,7 er spricht Gal. 5,17.18 regiert, streitet, kämpft, 1.Kor. 12,7-11 er gibt – teilt Gaben aus Rö. 8,26 er vertritt uns und hilft uns Apg.16,6 er bestimmt das Arbeitsgebiet Apg.13,2-4 er spricht, beruft und sendet Apg. 8,29 er gibt klare Anweisungen Luk.12,11.12 er gibt die richtigen Worte Mtt. 1,18-20 er bewirkt Schwangerschaft Mtt. 4,1 er führt und leitet Während der kommunistischen Herrschaft bildeten sich in der Sowjetunion Untergrundgemeinden, die sich nachts heimlich versammelten. Der Leiter der Gruppe setzte Zeit und Ort fest. Um keinen Verdacht zu erregen kamen die Geschwister einzeln oder zu zweit zu dem vereinbarten Ort. Doch die Geheimpolizei hatte Spione in den Versammlungen, die sich als Christen ausgaben. Es musste ein Weg gefunden werden, wie die Gläubigen benachrichtigt werden könnten, ohne dass die Geheimpolizei davon erfahren würde. Der Prediger einer Untergrundgemeinde glaubte, dass der Heilige Geist allen wahren Gläubigen den nächsten Versammlungsort bekannt geben würde. Er bat den Heiligen Geist, ihm den besten Ort und die günstigste Zeit für die nächste Versammlung zu offenbaren und dies auch so mit den anderen Gläubigen zu tun. Er sprach mit niemandem darüber. Zu der ihm vom Heiligen Geist gesagten Stunde ging er zu dem betreffenden Ort. Zu seiner großen Überraschung stellte er fest, dass bereits 25 Geschwister vor ihm da waren. Auf seine Frage, wie sie von dem Ort und der Zeit erfahren hätten, bezeugten alle, der Heilige Geist habe zu ihnen im Gebet gesprochen. Nach und nach trafen weitere Geschwister ein, die ebenfalls durch den Heiligen Geist davon erfahren hatten. Die Geheimpolizei konnte so die Versammlungen nicht mehr aufspüren, denn der Heilige Geist sprach nicht zu den Spionen. Diese Erfahrung wurde auch an anderen Orten gemacht. Wäre der Heilige Geist nur eine Energie spendende Kraft, wie Elektrizität, könnte eine solche Führung nicht geschehen. Es ließen sich noch viele weitere Bibeltexte benennen, in denen gezeigt wird, dass der Heilige Geist eine kraftvolle Persönlichkeit ist, die zum Wohle der Christen und zum Aufbau der Gemeinde Gottes handelt. Forscht doch einmal selbst noch gründlicher in der Bibel und ergänzt diese Aufstellung durch weitere Texte. III. Der Heilige Geist kann wie eine Person behandelt werden Weil der Heilige Geist eine Persönlichkeit ist, darum können wir ihn auch wie eine Person behandeln. Wie behandelt man eine Person? Wir können den Heilige Geist belügen und versuchen – Apg. 5,3.9 erbittern und entrüsten - Jes.63,10 widerstreben Apg.7,51 betrüben Eph.4,30 Im griechischen Originaltext müsste dem sächlichen Wort „Geist“ ein sächliches Fürwort zugeordnet sein. Aber das auf den Geist bezogene Pronomen ist entgegen der grammatischen Regel immer männlich. Damit wird eindeutig ausgedrückt, dass für die biblischen Schreiber der Heilige Geist keine Sache oder Kraft, sondern eine Person ist. Dr. Lanares bemerkt dazu: „In der Heiligen Schrift ist der Heilige Geist nie ein „Es“, sondern immer ein „Er“. Dies wird auch dadurch besonders hervorgehoben, dass die Bibel dem Heiligen Geist göttliche Namen und Eigenschaften zuordnet. IV. Der Heilige Geist besitzt göttliche Namen und Eigenschaften Was sind göttliche Eigenschaften? ALLWISSENHEIT 1.Kor. 2,10 SCHÖPFERKRAFT Hiob 33,4 UNERFORSCHLICHKEIT Jes. 40,13 LEBENSKRAFT Joh.6,63 Der Heilige Geist wird in der Bibel selbst Gott genannt - Apg. 5,3.4 Zuerst wird gesagt Annanias und Spahira haben den Heiligen Geist betrogen, dann wird gesagt, sie haben Gott betrogen. V. Der Heilige Geist ist der Stellvertreter Jesu Christi Jesus setzte nicht einen Menschen zu seinem Stellvertreter ein. Er hat keinem Apostel die Stellvertretung übertragen. Jesus verließ nicht diese Erde um einer irdischen Persönlichkeit Platz zu machen. Jesus gab seinen Jüngern eine klare Unterweisung über seinen Stellvertreter. Joh.16,7 – Joh. 14,16.17 Indem Jesus sagte: „Ich will euch einen anderen Tröster geben“, zeigte er an, dass sich sein Stellvertreter von ihm unterschied, nicht im Wesen, sondern in der eigenständigen Persönlichkeit. Das mit Tröster übersetzte griech. Wort „Parakletos“ kann auch Beistand, Anwalt, Fürsprecher bedeuten. Es bezeichnet jemanden, der bevollmächtigt ist, die Sache eines Beklagten oder Klägers vor Gericht zu führen und die betreffende Person zu vertreten. In diesem Sinne ist der Heilige Geist der Stellvertreter Jesu. Nicht eine Kraft vertritt Jesus auf Erden, sondern der Heilige Geist, der die Gläubigen bevollmächtigt und vertritt. Jeder Versuch, einen Menschen oder eine Kraft zum Vertreter Christi und Offenbarer der göttlichen Wahrheit zu machen, ist Leugnung und Zurückweisung des von Christus selbst eingesetzten Stellvertreters. Wer das tut, setzt die Person und das Werk des Heiligen Geistes beiseite. VI. Der Heilige Geist ist die dritte Person der Gottheit Im ABC steht folgende Überzeugung unserer Gemeinschaft: „Der Heilige Geist ist die dritte Person der Dreieinigkeit. Im Neuen Testament gewinnen wir ein klareres Bild über das Werk und Person des Heiligen Geistes. Es hat viele Spekulationen über die Natur des Heiligen Geistes gegeben….aber seine Persönlichkeit ist selbstverständlich, denn er wird dargestellt als jemand, der die Handlungen einer Person vollbringt. Er wird mit den anderen Personen – Gott Vater und Jesus Christus – in einer solchen Weise aufgeführt, dass man annehmen muss, er ist auch eine Person.“ (ABC/Bd.8,S.485) Wie sehr der Heilige Geist mit dem Vater und dem Sohn verbunden und ihnen gleich ist, geht aus dem Taufbefehl Jesu hervor. Mtt. 28,19 Die Menschen sollten nicht auf zwei Namen, sondern auf drei Namen getauft werden. Der urchristliche Segenswunsch zeigt ebenfalls, das Vater, Sohn und Geist in Einheit für die Gläubigen verbunden und wirksam sind. 2. Kor. 13,13 Die Übereinstimmung und Einheit zwischen den drei göttlichen Personen geht so weit, dass Paulus zu folgenden Aussagen kommt: 1. Kor.6,19 Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes 1. Kor.3,16 Ihr seid der Tempel Gottes Kol.1,27 Christus wohnt in euch Tatsächlich ist Gott unteilbar. Vielen ist diese Einheit in Vielheit unverständlich. Doch wir wollen nicht vergessen, dass der zum Ebenbilde Gottes erschaffene Mensch ebenfalls dreifaltig existiert. Auch der Mensch besteht aus einer Dreiheit in Einheit. – siehe 1.Th.5,23 ! Die gesunde Persönlichkeit eines Menschen besteht in der harmonischen Zusammenwirkung von Leib, Seele und Geist. Was uns für das Ebenbild Gottes annehmbar erscheint, ist in einem viel tieferen Sinne auch für Gottheit möglich. Auch sie ist eine Einheit, die sich aus drei Seinsweisen zusammensetzt und uns mitteilt: Vater – Sohn und Geist. Wir glauben nicht an drei Götter, sondern an den dreieinigen Gott, der sich uns als Vater, Sohn und Geist offenbart. E.G. Withe hat immer auf die Dreieinigkeit hingewiesen: „Das Böse hat während Jahrhunderten zugenommen, und ihm kann nur durch die mächtige Kraft des Heiligen Geistes, der dritten Person der Gottheit widerstanden werden.“ (TM,392; Letter 8 1896). „Nur durch die mächtige Kraft der dritten Person der Gottheit kann der Sünde widerstanden werden“ (DA 671 – 1898). „Christus entschloss sich, seinen Stellvertreter, die dritte Person der Gottheit zu senden.“ (1899). Vor den Studenten des von ihr gegründeten Avandal College in Australien sagte E.G. White: „Der Herr unterwies uns, dass dies der Platz sei, wo wir unsere Schule bauen sollten….Wir sollten erkennen, dass der Heilige Geist, der genauso viel eine Person ist wie Gott eine Person ist, über diese Grundstücke schreitet.“ (MS 66/1899). Wenn der Heilige Geist nichts anderes wäre als eine Kraft aus der Höhe, dann stünde er zu unserer Verfügung. Dann könnten wir uns seiner bedienen, wie man den elektrischen Strom ein-und ausschaltet. Dann ich mich seinem Wirken entziehen, mit ihm spielen, über ihn bestimmen. Ist der Heilige Geist eine Kraft, dann müssen wir sie besitzen. Ist aber der Heilige Geist eine göttliche Person, ist er der Herr, dann bin ich es, der ihm zur Verfügung stehen, ihn lieben, auf ihn hören und ihm in allen Dingen gehorchen muss. Die Bibel bezeugt eindeutig, das der Heilige Geist nicht eine Kraft, sondern der Herr ist. 2. Kor.3,17. „Mit dem HERRN ist der Heilige Geist gemeint.“ Hüten wir uns also davor, das wahre Wesen des Geistes und seine überragende Persönlichkeit zu verkennen und zu leugnen.
|